Wenn Player 3 während der Corona-Pandemie das Game betritt

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Was für ein Zeitpunkt zum Spawnen, würden Gamer jetzt sagen. Ja, absolut. Unsere Tochter kam während der Corona-Pandemie zur Welt. Einer der schönsten Tage in unserem Leben, den wir sicherlich nie vergessen werden – auch wegen Covid-19. Die Geburt unserer Tochter war dadurch ein echtes Abenteuer. Ich konnte meiner Frau nicht wie geplant zur Seite stehen. Denn: unser Krankenhaus gehörte Anfang März leider auch zu den Krankenhäusern, die keine Väter in den Kreißsaal ließen. Ein Schock für mich und meine Frau. Da bekommt man in Kürze sein erstes Kind, darf dann aber nicht dabei sein?! Wenn Player 3 während der Corona-Pandemie das Game betritt, wird alles anders als man geplant hatte.

Der ausgerechnete Geburtstermin unserer Tochter war Anfang Mai. Und wie es dann so ist, entscheidet sie sich einfach mal 11 Tage früher zu kommen. Mitte/Ende April war es soweit und der Tag auf den meine Frau und ich hin fieberten war plötzlich gekommen, bzw. die Nacht war gekommen. Denn es war nachts um 1 Uhr, als ich meine Frau ins Krankenhaus bringen musste. UND kaum hatte ich sie hingebracht musste ich auch wieder gehen. Alleine.
„Versuchen Sie zu schlafen. Wir melden uns dann bei Ihnen, wenn Sie kommen sollen.“, sagte mir die Hebamme auf Station. Super. Covid-19 war so gesehen ein Modifier, der alles noch mal herausfordernder und schwieriger machte.

COVID-19 Maßnahmen in Krankenhäusern

Über die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen habe ich mir viele Gedanken gemacht. Klar, im Krankenhaus will man möglichst verhindern, dass Ärtze und Personal sich mit dem Coronavirus anstecken. Die Maßnahme möglichst wenige Menschen in das Krankenhaus zu lassen – eigentlich nur die Patienten selbst – erscheint ja naheliegend. Aber mal ehrlich: Mütter brauchen den Support ihrer Ehemänner, vor allem wenn es das erste Kind ist. Man hat Angst, will nicht alleine sein und braucht diesen jemanden, der dabei ist.
Väter nicht in den Kreißsaal zu lassen, das grenzte für mich damals schon an die Verletzung eines Grundrechts! Und mal ehrlich, wenn man Angst hat, dass der Ehemann der Frau COVID-19 in das Krankenhaus bringen könnte, dann ist dieses Risiko bei der Ehefrau doch genauso groß, oder? Leben doch beide meist im selben Haushalt. Viele angehenden Eltern kritisierten genau das, weswegen das Krankenhaus zurückruderte und die Maßnahmen etwas lockerte, sodass Väter wieder in den Kreißsaal durften.

Schlaflosigkeit und Uncharted 4 zur Ablenkung

Also ab nach Hause und versucht zu schlafen. Wenn ich die geschlafenen Stunden in dieser Nacht zusammenrechnen müsste, würde ich auf wahrscheinlich knapp 2 Stunden Schlaf kommen. Meine Gedanken waren bei meiner Frau, die im Krankenhaus auf Station gebracht wurde und jetzt wahrscheinlich auch nicht schlafen konnte. Wehen hatte sie nur ganz leichte gehabt als wir ins Krankenhaus fuhren. Aber da die Fruchtblase geplatzt war, rechneten die Ärzte und Hebammen mit der Geburt am nächsten morgen. Irgendwann war es dann 6 Uhr morgens. In meiner Aufregung versuchte ich mich abzulenken und hab auf der Playstation 4 noch Uncharted 4 gespielt und sogar noch ein wenig gearbeitet.

„Komm bitte sofort! Und bring dir was zu essen mit!“

Als mein Telefon dann um 9 Uhr klingelte, war es nicht das Krankenhaus, sondern meine Frau. Ich konnte sofort hören was los war. Sie lag in den Wehen und war bereits im Kreißsaal. „Komm bitte sofort! Und bring dir was zu essen mit!“, schnaubte sie ins Telefon. Sofort machte ich mich fertig, schnappte mir noch zwei Schokobrötchen und fuhr in Krankenhaus. Dort angekommen, stoppte mich eine Krankenschwester beim Eingang. „Sie müssen sich anstellen“, sagte sie mir und wies auf die Warteschlange neben ihrem Zelt hin. Eine Corona-Maßnahme: Alle die ins Krankenhaus rein wollen, brauchten einen triftigen Grund, wurden auf ihre Kontakte der letzten Tage und Wochen befragt und natürlich auf Fieber getestet. Ich hatte die Schlange einfach ignoriert und war fixiert schnell zu meiner Frau zu kommen. „Meine Frau liegt in den Wehen, ich wurde angerufen, dass ich kommen soll.“, sagte ich und nannte ihr meinen Namen. Auf einer Liste, war dieser noch nicht vermerkt. Die Krankenschwester rief also auf Station an und fragte nach, währenddessen wurde bei mir Fieber gemessen und ein paar Fragen gestellt. Dann gab es grünes Licht und ich durfte weiter. Erster Level geschafft.

Zweiter Level Kreißsaal: verschlossene Türen.

Wieder ein Hindernis. „Bitte einmal klingeln“, stand auf einem Schild an der Tür. Ich drückte und es passierte nichts. Und wie ich da so wartete, hörte ich das Geschrei von Neugeborenen. Panik machte sich bei mir breit. „Bin ich jetzt zu spät? Ist das schon mein Kind? Warum macht niemand auf?“ Gedanken, die durch meinen Kopf schossen. Nach 5 Minuten, entschloss ich mich, nochmal auf die Klingel zu drücken. Vielleicht hatte es ja niemand gehört? Falsch gedacht! Eine ziemlich schlecht gelaunte Hebamme öffnete mir kurz darauf die Tür und fragte nach, ob ich das Schild nicht gesehen hätte. Danach musste ich nochmal Fragen beantworten, bevor ich endlich in den Kreißsaal durfte. Endlich war ich bei meiner Frau. Und dann waren es noch genau 58 Minuten, bis unsere Tochter auf die Welt kam.

Alles nur ein Traum?


Meine Frau lag 8 Stunden in schmerzhaften Wehen, von denen ich nur eine Stunde bei ihr war. 7 Stunden lag sie teilweise alleine (!) auf Station und im Kreißsaal. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Als meine Tochter dann da war, wurden mir 2 Stunden Zeit mit Frau und Kind im Kreißsaal gewährt. Dann wurde ich quasi rausgeschmissen und war dann 3 Tage alleine zu Hause. Ich durfte nicht ins Krankenhaus zurück. Als ich nach der Geburt wieder zu Hause war, telefonierte ich viel mit meiner Familie. Irgendwann lag ich auf der Couch und schlief ein. Ich wachte am Abend wieder auf und war mir nicht sicher, ob das nicht alles ein Traum war. Es wirkte alles so unwirklich. Eigentlich sollte ich ja jetzt bei meiner Frau und meiner Tochter sein. Das Familienzimmer, welches wir uns vorab buchten, wurde vom Krankenhaus wegen COVID-19 aber storniert.

Die Geburt war für uns ein Abenteuer. Wie ein verrückter Geheim-Level eines Spiels, wo nichts so ist wie man es kennt. Man nimmt die Dinge dann einfach mit noch so, wie sie kommen. Glücklicherweise gab es keinen Endgegner, den man besiegen musste. Alles klappte und Frau und Kind haben alles gut überstanden. Nur etwas länger dabei zu sein, das hätte ich mir schon gewünscht…

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